Kapitel 1
Kapitel 2C: Die Versuchung des Unbekannten
Kiki entschied sich für die dritte Nachricht.
Sie wusste nicht genau, weshalb.
Vielleicht weil sie an diesem Morgen keine Lust hatte, mit Problemen anzufangen.
Vielleicht weil ihre Neugier größer war als ihre Vorsicht.
Oder weil sie sich für ein paar Minuten erlauben wollte, von etwas anderem zu träumen als ihrem bisherigen Alltag.
Sie öffnete die Nachricht.
Und musste lächeln.
Ein breites, vollkommen unwillkürliches Lächeln.
„Du bist unmöglich“, sagte sie leise.
Es gab Menschen, bei denen man sich selbst nach langer Zeit nicht erklären musste.
Ihre alte Freundin gehörte dazu.
Sie kannte Kikis Humor.
Ihre Neugier.
Ihr gelegentlich ziemlich loses Mundwerk.
Und vermutlich auch ihre Schwäche für Situationen, die zunächst ein kleines bisschen verrückt klangen.
Kiki las die Nachricht erneut.
Das Angebot stand noch immer im Raum.
Verlockend.
Ungewöhnlich.
Und ausreichend offen, um ihre Fantasie auf Hochtouren zu bringen.
Sie stellte sich vor, wie es wäre, etwas Neues zu erleben.
Nicht ständig dieselben Fragen zu beantworten.
Nicht immer die verlässliche, kompetente und vernünftige Version ihrer selbst zu sein.
Sondern einfach Kiki.
Die Frau, die gern lachte, mit Menschen flirtete, sich auf interessante Gespräche einließ und gelegentlich etwas sagte, nur um zu beobachten, wie ihr Gegenüber darauf reagierte.
Die Frau, die sich nicht dafür entschuldigte, neugierig zu sein.
Oder attraktiv.
Oder ehrgeizig.
Oder manchmal widersprüchlich.
Sie lehnte sich zurück.
Die Sonne wärmte inzwischen ihre Schultern.
Vielleicht lag gerade darin der besondere Reiz des Angebots.
Es versprach nicht unbedingt ein besseres Leben.
Aber ein anderes.
Und manchmal war schon diese Vorstellung aufregend genug.
Andererseits kannte Kiki sich selbst.
Sie wusste, dass ihre Begeisterung gelegentlich schneller war als ihre Vernunft.
Das bedeutete nicht, dass sie leichtsinnig war.
Nur, dass sie sich manchmal bewusst erlaubte, Möglichkeiten ernst zu nehmen, die andere sofort verwarfen.
Sie nahm das Smartphone in beide Hände.
Was genau erwartest du eigentlich von mir?
Die Frage wäre eine gute Antwort gewesen.
Vielleicht zu sachlich.
Kiki grinste.
Sie könnte ihre Freundin auch ein wenig aufziehen.
Eine freche Bemerkung.
Eine provokante Frage.
Etwas, das deutlich machte, dass sie neugierig war, ohne bereits zuzustimmen.
Das gefiel ihr besser.
Ihre Finger flogen über die Tastatur.
Sie schrieb einen Satz.
Las ihn.
Und lachte.
„Nein, das kannst du unmöglich schicken.“
Eine Sekunde später betrachtete sie die Nachricht erneut.
„Obwohl ...“
Sie hielt den Daumen über der Sendetaste.
In ihrem Kopf mischten sich Vorfreude, Unsicherheit und eine Ahnung davon, dass aus einer scheinbar harmlosen Antwort vielleicht etwas entstehen konnte, mit dem sie bisher überhaupt nicht gerechnet hatte.
Kiki biss sich nachdenklich auf die Unterlippe.
Dann erschien dieses vertraute, herausfordernde Funkeln in ihren Augen.
Kapitel 2
Kapitel 3B1 – Die große Chance
Kiki las die berufliche Nachricht erneut.
Eine neue Möglichkeit.
Ein anderer Verantwortungsbereich.
Die Aussicht, endlich wieder eigene Ideen einbringen zu können.
Allein diese Vorstellung brachte etwas in Bewegung.
Sie richtete sich auf und nahm ihren Notizblock.
Was sprach dafür?
Was dagegen?
Sie begann eine Liste.
Doch nach wenigen Augenblicken legte sie den Stift wieder weg.
Das Problem war nicht, dass sie die Argumente nicht kannte.
Das Problem war, dass sie plötzlich wieder Begeisterung empfand.
Und Begeisterung ließ sich schlecht in Tabellen unterbringen.
Sie dachte an die vergangenen Monate zurück.
An Aufgaben, die früher spannend gewesen waren und sich inzwischen nur noch wiederholten.
An Besprechungen, in denen viel geredet und wenig entschieden wurde.
An dieses merkwürdige Gefühl, dass ihre Fähigkeiten eigentlich für mehr reichen müssten.
Nicht unbedingt für eine höhere Position.
Aber für etwas Sinnvolleres.
Sie formulierte eine Antwort.
„Das klingt interessant. Ich würde gern mehr darüber erfahren.“
Dann schickte sie die Nachricht ab.
Ein kleiner Schritt.
Noch keine Entscheidung.
Aber einer, der sich richtig anfühlte.
Kurze Zeit später erhielt sie eine Einladung zu einem unverbindlichen Gespräch.
Kiki betrachtete den Termin.
Sie könnte hingehen.
Fragen stellen.
Menschen kennenlernen.
Vielleicht feststellen, dass die ganze Sache doch nicht zu ihr passte.
Oder entdecken, dass sie beruflich viel mehr Möglichkeiten hatte, als sie sich bisher zugestanden hatte.
Sie lächelte.
„Na also. Geht doch.“
Zum ersten Mal seit Wochen freute sie sich auf ein Gespräch über ihre berufliche Zukunft.
Wie soll die Geschichte weitergehen?
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